• Unlike U – Update zur aktuellen Ausgabe

    Manchmal überschlagen sich die Ereignisse. Eben kritisiere ich noch das Unlike U-Urteil des LG Berlin (hier geht es zur Ausgabe 8) und schon hebt das Kammergericht Berlin (was dasselbe ist wie anderenorts das Oberlandesgericht) das schändliche Urteil kurz vor dem Druck des Mags auf. Ich weiß nicht, wie das Kammergericht an meinen bis dahin unveröffentlichten Text kam, aber Hauptsache es hat gewirkt.

    Das Kammergericht hat richtig entschieden und die sehr unbefriedigende Situation insbesondere für Filmeschaffende geklärt. Wenn man Szenen wie die Graffitiszene dokumentiert und dabei „reales“ Material verwendet, das man von Unbekannten erhalten hat, kann einem das nicht unter Verweis auf dubiose Urheber- und Verwertungsrechte an der Verbreitung der zufällig mit gefilmten Bahnhofsschilder verboten werden. Würde man das nämlich im Grundsatz erlauben, würde das am Ende dazu führen, dass sämtliche unerwünschten Dokumentationen im Keim erstickt werden könnten. Würde ich beispielsweise über die katastrophalen Zustände im beliebtesten Puff Dortmunds dokumentatorisch berichten, könnte der Inhaber der Schangelbude unter Verweis auf das zufällig mit gefilmte Firmenschild sofort wegen „Urheberrechtsverletzung“ gegen mein Meisterwerk vorgehen. Und so ein Rechtsverständnis geht sowohl am Informationsinteresse der Bevölkerung als auch an der journalistischen Freiheit meilenweit vorbei.

    Die Entscheidung des Kammergerichts ist daher begrüßenswert. Auch wenn der gesamte Prozess letztlich dazu geführt hat, dass die Filmeschaffenden von Unlike U wirtschaftlich nicht das erzielen konnten, was ursprünglich angedacht war, wurde ein wichtiger Meilenstein gesetzt. Unlike U steht ab jetzt für Freiheit, die Freiheit, anders zu sein.

    Dr. Gau

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